Die überraschende Wahrheit: Stress und Fehlgeburtsrisiko - Neue Studienergebnisse

Die überraschende Wahrheit: Stress und Fehlgeburtsrisiko - Neue Studienergebnisse -

Stress in der Frühschwangerschaft beschäftigt viele werdende Mütter – tatsächlich nicht ohne Grund. Etwa 15 bis 20 Prozent aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, die vor der 20. Schwangerschaftswoche auftritt. Noch überraschender: Eine Studie aus 2017 zeigt, dass ungefähr 43 Prozent der Frauen, die ein Kind geboren haben, zuvor eine Fehlgeburt erlitten haben.

Wenn wir über eine Fehlgeburt durch Stress sprechen, ist die wissenschaftliche Lage allerdings komplexer als oft angenommen. Besonders bemerkenswert sind die Forschungsergebnisse, die zeigen, dass psychologische Faktoren wie Stress das Risiko für eine Fehlgeburt um etwa 42 Prozentpunkte erhöhen können. Darüber hinaus wurde beobachtet, dass anhaltender Stress zu Bluthochdruck führen kann, wodurch die Plazenta nicht mehr richtig arbeitet und das Kind unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

In diesem Artikel untersuchen wir die überraschende Wahrheit hinter dem Zusammenhang zwischen Stress und Fehlgeburten. Wir betrachten aktuelle Studien, erklären die physiologischen Mechanismen und geben praktische Tipps, wie Sie Ihren Stress während dieser wichtigen Lebensphase reduzieren können.

Was wir über Fehlgeburten wirklich wissen

Jede Fehlgeburt ist ein einschneidendes Ereignis im Leben betroffener Frauen und Paare. Um das Thema zu verstehen, müssen wir zunächst die medizinischen Fakten betrachten – unabhängig von verbreiteten Annahmen.

Häufigkeit und medizinische Definition

In der Medizin wird eine Fehlgeburt (medizinisch: Abort) als Verlust einer Schwangerschaft vor einem bestimmten Zeitpunkt definiert. Allerdings variieren die genauen Definitionen: Während einige Quellen von der 20. Schwangerschaftswoche sprechen, setzen andere die Grenze bei der 22. oder 24. Woche.

Die Häufigkeit von Fehlgeburten ist überraschend hoch. Etwa 10-15% aller bestätigten Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. Manche Untersuchungen zeigen sogar Raten von 15-20%. Tatsächlich ist die tatsächliche Zahl vermutlich noch höher, da viele Fehlgeburten so früh auftreten, dass die Frau noch nicht einmal von ihrer Schwangerschaft wusste. Zählt man diese sehr frühen Verluste mit, könnten 50-70% aller Empfängnisse betroffen sein.

Zeitlich unterscheiden Mediziner verschiedene Arten:

  • Frühabort: Tritt vor der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche auf und macht etwa 85% aller Fehlgeburten aus

  • Spätabort: Ereignet sich zwischen der 13./16. und der 20./24. Woche [43]

Das Risiko einer Fehlgeburt nimmt mit fortschreitender Schwangerschaft deutlich ab. Während in den ersten Wochen das Risiko am höchsten ist, sinkt es nach der 16. Woche auf unter 5%. Besonders ermutigend: Wenn eine Ultraschalluntersuchung im ersten Trimester einen gesunden Embryo mit intakter Herzaktion zeigt, beträgt das Fehlgeburtsrisiko im zweiten Trimester nur noch etwa 2%.

Hauptursachen wie Chromosomenfehler und Gebärmutterprobleme

Bei der Suche nach Ursachen für Fehlgeburten steht ein Faktor besonders im Vordergrund: genetische Störungen. Chromosomale Veränderungen sind für etwa 50-70% aller frühen Schwangerschaftsverluste verantwortlich. Bei Untersuchungen von Fehlgeburten im ersten Trimester werden sogar in 60-70% der Fälle Chromosomenstörungen gefunden.

Darüber hinaus spielen anatomische Faktoren eine wichtige Rolle. Bei ungefähr 10% der Frauen mit wiederkehrenden Fehlgeburten können Veränderungen der Gebärmutter als Ursache festgestellt werden. Zu diesen gehören:

  • Gebärmuttersepten (Trennwände in der Gebärmutter)

  • Myome (Muskelknoten), besonders wenn sie in die Gebärmutterhöhle hineinragen

  • Gebärmutterfehlbildungen

Außerdem können folgende Faktoren das Risiko erhöhen:

Hormonelle Störungen wie Gelbkörperschwäche können ebenfalls eine Rolle spielen, ebenso wie Blutgerinnungsstörungen (Thrombophilie), die das Risiko für Schwangerschaftsverluste erhöhen. Infektionen, mütterliche Grunderkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder Autoimmunerkrankungen sind weitere mögliche Ursachen.

Das Alter der Mutter ist gleichfalls ein bedeutender Risikofaktor. Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten deutlich. Bei einer 40-jährigen Frau beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt bereits etwa 40%.

Obwohl es manchmal schwer zu akzeptieren ist – in den meisten Fällen tritt eine Fehlgeburt auf, weil der Embryo nicht lebensfähig ist. Die Natur trifft hier eine natürliche Selektion, die niemand beeinflussen kann.

Kann Stress eine Fehlgeburt direkt auslösen?

Die Frage, ob Angst und Belastungen tatsächlich zum Verlust einer Schwangerschaft führen können, beschäftigt viele werdende Mütter. Besonders in den ersten Wochen, wenn das Risiko einer Fehlgeburt ohnehin am höchsten ist, sorgen sich viele Frauen über die Auswirkungen von Stress. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?

Was Studien bisher zeigen

An der Berliner Charité untersuchten Forscher den Zusammenhang zwischen Stress und Fehlgeburten an 864 werdenden Müttern. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Von diesen Frauen erlitten 55 eine Fehlgeburt, und tatsächlich fühlten sich diese Frauen gestresster als die anderen Teilnehmerinnen. Zusätzlich wiesen sie niedrigere Progesteronspiegel auf - ein Hormon, das entscheidend für den Erhalt der Schwangerschaft ist.

Eine Metaanalyse aus acht Studien, durchgeführt von Forschern der City University London, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Frauen mit psychischer Stressbelastung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft haben ein um 42 Prozent erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt.

Allerdings zeigen andere Untersuchungen ein differenzierteres Bild. Eine Studie aus dem Jahr 2018 in "Human Reproduction" fand beispielsweise keinen Zusammenhang zwischen mütterlichem Stress und frühem Schwangerschaftsverlust.

Warum Stress nicht als Hauptursache gilt

Obwohl einige Studien einen Zusammenhang nahelegen, betrachten Mediziner Stress nicht als primäre Ursache für Fehlgeburten. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

Zunächst einmal bleibt die Hauptursache für Fehlgeburten in den meisten Fällen eine genetische Störung des Embryos. Etwa 50-70% aller frühen Schwangerschaftsverluste sind auf Chromosomenanomalien zurückzuführen, die zu nicht lebensfähigen Embryonen führen. Wenn der Embryo nicht lebensfähig ist, wird die Schwangerschaft auf natürliche Weise beendet - unabhängig vom Stresslevel der Mutter.

Darüber hinaus gibt es schlichtweg "keine Fülle von Daten, die darauf hindeuten, dass Stress stark mit erhöhten Fehlgeburtsraten verbunden ist", wie Dr. Rachel Pilliod von der Oregon Health and Science University erklärt.

Weder das US-amerikanische National Institute of Child Health and Human Development noch der Nationale Gesundheitsdienst Großbritanniens führen Stress als direkten Risikofaktor für eine Fehlgeburt an.

Missverständnisse in der öffentlichen Wahrnehmung

In der Öffentlichkeit hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass Stress direkt eine Fehlgeburt verursachen kann. Dies ist jedoch ein weit verbreitetes Missverständnis, wie der Nationale Gesundheitsdienst Großbritanniens betont.

Tatsächlich kann Stress aber indirekt Einfluss nehmen, indem er andere Risikofaktoren verstärkt. Der Zusammenhang besteht eher bei lebenslangem chronischem Stress, sozioökonomischen Ungleichheiten und ähnlichen Faktoren.

Wie funktioniert diese indirekte Wirkung? Stress kann zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt führen. Erhöhte Adrenalin- und Noradrenalin-Konzentrationen kurbeln die Produktion entzündungsfördernder Substanzen an. Gleichzeitig kann die Produktion von Progesteron gestört werden, was die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft erschwert.

Ein weiterer Faktor: Chronischer Stress steht in Verbindung mit Bluthochdruck, der wiederum ein Risikofaktor für Schwangerschaftsverluste sein kann. Außerdem führt anhaltender Stress häufig zu ungesunden Gewohnheiten wie Rauchen oder schlechter Ernährung, die ihrerseits die Schwangerschaft negativ beeinflussen können.

Wichtig zu wissen: Bei Frauen ohne zugrundeliegende Risikofaktoren und mit einem unkomplizierten ersten Trimester ist es nach Expertenmeinung unwahrscheinlich, dass sich Stress negativ auf die Schwangerschaft auswirkt.

Wie Stress indirekt das Fehlgeburtsrisiko beeinflussen kann

Obwohl Stress nicht als direkte Hauptursache für Fehlgeburten gilt, zeigen neue Forschungsergebnisse, dass er dennoch eine bedeutende Rolle spielen kann. Die biologischen Mechanismen dahinter sind komplex und verknüpfen Hormonsystem, Blutdruck und Immunfunktionen.

Verbindung zu Bluthochdruck und Plazentastörungen

In Deutschland ist etwa jede zehnte schwangere Frau von Bluthochdruck betroffen. Bei chronischem Stress reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen, die langfristig den Blutdruck erhöhen können. Dies ist besonders problematisch während der Schwangerschaft, da der erhöhte Druck die Blutgefäße der Mutter und auch die der Plazenta schädigen kann.

Durch diese Gefäßschäden wird das Kind nicht mehr ausreichend mit lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Wie Professor Tanja Groten vom Universitätsklinikum Jena erklärt: "Schwangerschaft bedeutet Gefäßstress. Der Mutterkuchen produziert aktivierende Substanzen, die die mütterlichen Gefäße oxidativem Stress aussetzen". Können die Gefäße diesen Stress nicht ausgleichen, droht dem Kind eine Mangelversorgung.

Besonders gefährlich ist die Präeklampsie, umgangssprachlich auch als "Schwangerschaftsvergiftung" bezeichnet. Diese Komplikation tritt nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und führt zu Organschäden, meist an den Nieren oder der Leber. Tatsächlich zeigen Studien, dass über 36% der Mütter in einer Kontrollgruppe einen Bluthochdruck entwickelten und fast jede dritte eine Präeklampsie.

Einfluss auf das Immunsystem und Entzündungen

Stress während der Schwangerschaft kann zu erheblichen Veränderungen im Immunsystem führen. Normalerweise sorgen Hormone und das Immunsystem dafür, dass eine Abstoßung und damit eine Fehlgeburt verhindert wird. Bei erhöhtem Stress wird jedoch dieser Schutzmechanismus gestört.

Eine vermehrte Stresswahrnehmung bewirkt, dass verstärkt Stresshormone ausgeschüttet werden, die dann wiederum schwangerschaftserhaltende Hormone unterdrücken können. Dadurch kommt es zu einer Kettenreaktion:

  1. Die Stresshormone erhöhen die Produktion von Entzündungsmediatoren

  2. Es kommen weitere Substanzen hinzu, wie Nervenbotenstoff Substanz P, die Entzündungen fördern

  3. Das Resultat ist eine Entzündung in der Gebärmutterschleimhaut, die zum Schwangerschaftsverlust führen kann

Darüber hinaus kann Stress im ersten Trimester die Mikroben in der Vagina negativ beeinflussen. Diese mikrobiellen Veränderungen können nicht nur die Schwangerschaft gefährden, sondern auch langfristige Auswirkungen auf das Baby haben, wenn es vaginal geboren wird.

Rolle des Progesteronspiegels bei Stress

Progesteron ist das zentrale Hormon für den Erhalt der Schwangerschaft. Es steigt nach Eintritt einer Schwangerschaft massiv an und erfüllt mehrere Funktionen: Es sorgt dafür, dass der Gebärmuttermuskel entspannt bleibt und verhindert dadurch vorzeitige Wehen. Außerdem hat es einen wichtigen Einfluss auf das Immunsystem und trägt dazu bei, eine Entzündungs- und Abstoßungsreaktion gegen das Kind zu verhindern.

Eine bemerkenswerte Studie der Charité Berlin untersuchte 864 werdende Mütter und fand heraus, dass alle 55 Frauen, die später eine Fehlgeburt erlitten, niedrigere Progesteronspiegel aufwiesen. Diese Frauen fühlten sich zudem gestresster als die anderen Teilnehmerinnen. Forscher konnten tatsächlich nachweisen, dass bei Frauen, die sich gestresst fühlen, der Progesteronspiegel sinkt.

Wenn der Körper denkt, er befinde sich im "Kampf- oder Flucht"-Modus, signalisiert ein Übermaß an Stresshormonen, dass eine Schwangerschaft unpassend ist – und folglich sinkt der Progesteron-Spiegel. Mit dem Wegfall von Progesteron entfällt auch der Schutz für das mütterliche Immunsystem, ein entzündungshemmendes Milieu aufzubauen.

Im Tierversuch konnte bereits gezeigt werden, dass stressausgelöste Fehlgeburten durch Zufuhr von Progesteron verhindert werden können. Wissenschaftler arbeiten nun daran, Schwangere zu identifizieren, die von einer Progesteron-Substitution profitieren würden.

Neue Studienergebnisse im Überblick

Die Forschungslandschaft zum Einfluss von Stress auf Schwangerschaften hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Erkenntnisse hervorgebracht. Aktuelle Studien beleuchten nicht nur den Zusammenhang mit Fehlgeburten, sondern auch weitreichende Folgen für Mutter und Kind.

Erkenntnisse aus der Charité-Studie

Wissenschaftler der Charité Berlin entdeckten ein zuckerbindendes Protein namens Galectin-1, das entscheidend zum Erhalt der Schwangerschaft beiträgt. Dieses Protein ist maßgeblich an der Aufrechterhaltung des immunologischen Gleichgewichts beteiligt und kann Fehlgeburten vorbeugen. Besonders interessant: Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Galectin-1 und dem Schwangerschaft erhaltenden Hormon Progesteron – beide können nur im Zusammenspiel schützend wirken.

In einer weiteren Untersuchung mit 864 Schwangeren wurden zu Beginn der Schwangerschaft Blutproben genommen und das Stresslevel erfasst. Von diesen Frauen erlitten 55 eine Fehlgeburt und zeigten nicht nur niedrigere Progesteronspiegel, sondern fühlten sich nachweislich gestresster als die anderen Teilnehmerinnen.

Zusammenhang zwischen chronischem Stress und Frühgeburt

Neben Fehlgeburten kann pränataler Stress auch das Risiko für Frühgeburten erhöhen. Dabei scheint der Zeitpunkt der Stressbelastung entscheidend zu sein: Stress in frühen Schwangerschaftsstadien erhöht das Risiko stärker als nach der 15. Schwangerschaftswoche. Diese Erkenntnisse wurden insbesondere nach den Terroranschlägen in New York 2001 deutlich, als die Frühgeburtenrate anstieg.

Chronischer Stress wirkt über immunologische Prozesse und entzündliche Botenstoffe, die chronisch einwirken und Frühgeburten begünstigen können. Darüber hinaus befinden sich Strukturaufbau und Synapsenbildung im Gehirn im letzten Schwangerschaftsdrittel im Wachstumsspurt – ein zu früher Abbruch dieser Phase kann erhebliche Konsequenzen haben.

Langzeitfolgen für das Kind durch pränatalen Stress

Eine bemerkenswerte Langzeitstudie an wildlebenden Affen in Thailand zeigt: Die Stresshormon-Belastung der Mutter während der frühen Schwangerschaft beeinflusst das Stresssystem des Nachwuchses nachhaltig – vom Säuglingsalter bis ins Erwachsenenalter von neun bis zehn Jahren.

Besonders die erste Hälfte der Schwangerschaft erwies sich als kritischer Zeitraum, da hier die grundlegende Organbildung stattfindet. Die Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), die zentral für die Stressbewältigung ist, wird durch mütterliche Stresshormone entscheidend geprägt.

Ebenso zeigt eine deutsche Studie mit 373 Mutter-Kind-Paaren: Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft starkem Stress ausgesetzt waren, zeigten häufiger Verhaltensprobleme im Alter von sieben, acht oder zehn Jahren. Interessanterweise traten diese Probleme bei Kindern mit älteren Geschwistern seltener auf – vermutlich, weil Geschwister bei der Entwicklung wichtiger Sozialkompetenzen helfen.

"Unsere Ergebnisse können helfen, den Zeitpunkt und die Mechanismen zu identifizieren, an denen präventive Maßnahmen ansetzen sollten, um langfristige gesundheitliche Risiken zu reduzieren", erklärt der Studienleiter Oliver Schülke.

Was du tun kannst, um Stress in der Schwangerschaft zu reduzieren

Nachdem wir die wissenschaftlichen Zusammenhänge verstanden haben, stellt sich die Frage: Wie können werdende Mütter ihren Alltag stressfreier gestalten? Verschiedene Methoden haben sich als besonders wirksam erwiesen.

Yoga und Bewegung

Schwangerschaftsyoga bietet einen effektiven Weg, sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten und gleichzeitig Stress abzubauen. Die "Katze-Kuh-Übung" hilft beispielsweise dabei, die Wirbelsäule zu dehnen und den Beckenboden zu stärken - ein großer Vorteil für die Geburt. Hatha-Yoga unterstützt zusätzlich, mentale Klarheit zu erlangen.

Bemerkenswerte positive Nebeneffekte sind Stressreduktion, Stärkung der Bänder und eine bessere Körperwahrnehmung. Besonders wichtig: Achte darauf, dass die Übungen speziell auf die Bedürfnisse Schwangerer abgestimmt sind und suche dir fachkundige Anleitung.

Psychologische Unterstützung

Etwa 20% der werdenden Mütter und 10% der werdenden Väter erleben während der Schwangerschaft psychische Krisen. Falls du dich überfordert, ängstlich oder anhaltend traurig fühlst, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Inzwischen gibt es innovative Angebote wie das "Programm für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft", das an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen entwickelt wurde. Dieses Programm bietet online-basierte Selbsthilfekurse mit acht wöchentlichen Sitzungen, die bequem über Computer oder Smartphone zugänglich sind.

Soziale Netzwerke und Familienhilfe

Entlastung im Alltag durch Partner, Familie oder Freunde wirkt nachweislich vorbeugend gegen stressbedingte Komplikationen. Besonders wichtig: Lerne, auch einmal "Nein" zu sagen und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wissen als Stressbremse

Information ist ein wirksames Mittel gegen unbegründete Ängste. Bei gesundheitlichen Sorgen helfen offene Gespräche mit deiner Gynäkologin oder Hebamme. Hebammen haben vielfältige Möglichkeiten, für schädliche Auswirkungen von Stress zu sensibilisieren und durch gezielte Maßnahmen gegenzusteuern.

In Geburtsvorbereitungskursen bekommst du wertvolle Informationen über stressreduzierende Maßnahmen. Nach der Geburt und im Wochenbett solltest du außerdem ausreichend Zeit für Bonding und Stillen einplanen – das gilt auch für Kaiserschnittgeburten.

Denke daran: Eine entspannte Mama sorgt für ein entspanntes Baby. Daher ist es wichtig, deinen eigenen Stresslevel im Blick zu behalten und bei Bedarf rechtzeitig Unterstützung zu suchen.

Fazit

Die Beziehung zwischen Stress und Fehlgeburten ist offensichtlich komplexer, als viele werdende Mütter zunächst annehmen. Obwohl Stress nicht als Hauptursache für Fehlgeburten gilt, zeigen neuere Forschungsergebnisse dennoch, dass er über verschiedene biologische Mechanismen indirekt das Risiko erhöhen kann. Besonders die Auswirkungen auf den Progesteronspiegel, das Immunsystem und den Blutdruck verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Tatsächlich handelt es sich bei den meisten Fehlgeburten um einen natürlichen Selektionsprozess bei nicht lebensfähigen Embryonen – etwas, das außerhalb unserer Kontrolle liegt. Gleichzeitig sollten wir jedoch die Bedeutung chronischer Stressbelastung nicht unterschätzen. Die Forschung zeigt unzweifelhaft, dass anhaltender Stress nicht nur das Fehlgeburtsrisiko beeinflussen kann, sondern auch langfristige Folgen für die Entwicklung des Kindes haben kann.

Was bedeutet das für dich als werdende Mutter? Zunächst einmal solltest du dir keine Sorgen über alltägliche Stresssituationen machen. Stattdessen konzentriere dich darauf, langfristige Stressbelastungen zu reduzieren. Spezielle Schwangerschaftsyoga-Kurse, psychologische Unterstützung oder die Hilfe durch Familie und Freunde können dabei wertvolle Dienste leisten.

Letztendlich geht es darum, eine Balance zu finden. Akzeptiere, dass ein gewisses Maß an Sorge während der Schwangerschaft normal ist, und suche gleichzeitig nach gesunden Wegen, deinen Alltag zu entlasten. Denke stets daran: Eine gut informierte und emotional ausgeglichene Mutter bietet die besten Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft. Außerdem kann frühzeitige Unterstützung bei anhaltenden Ängsten oder Belastungen nicht nur dir, sondern auch deinem heranwachsenden Kind zugutekommen.

FAQs

Q1. Wie beeinflusst Stress das Risiko einer Fehlgeburt in der Schwangerschaft? Studien zeigen, dass psychischer Stress im ersten Trimester das Fehlgeburtsrisiko um bis zu 42% erhöhen kann. Allerdings ist Stress nicht die Hauptursache für Fehlgeburten. Er kann indirekt durch Auswirkungen auf Hormone, Blutdruck und Immunsystem das Risiko beeinflussen.

Q2. Welche Auswirkungen kann chronischer Stress während der Schwangerschaft haben? Chronischer Stress kann zu Bluthochdruck, Schlafstörungen und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten führen. Langfristig kann er die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und das Risiko für spätere psychische Erkrankungen erhöhen.

Q3. Wie kann man Stress in der Schwangerschaft reduzieren? Effektive Methoden zur Stressreduktion sind Schwangerschaftsyoga, Bewegung, psychologische Unterstützung und die Inanspruchnahme sozialer Netzwerke. Auch Geburtsvorbereitungskurse und offene Gespräche mit Hebammen oder Ärzten können helfen, Ängste abzubauen.

Q4. Welche Rolle spielt das Hormon Progesteron bei Stress in der Schwangerschaft? Progesteron ist entscheidend für den Erhalt der Schwangerschaft. Studien zeigen, dass Stress den Progesteronspiegel senken kann. Ein niedriger Progesteronspiegel wurde mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko in Verbindung gebracht.

Q5. Ab wann gilt Stress in der Schwangerschaft als besonders kritisch? Stress in der frühen Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester, scheint besonders kritisch zu sein. In dieser Phase findet die grundlegende Organbildung statt und das Risiko für Fehlgeburten ist generell am höchsten. Allerdings kann chronischer Stress über die gesamte Schwangerschaft hinweg negative Auswirkungen haben.