Babys impfen oder nicht impfen? Was Experten empfehlen

Die Frage "Babys impfen oder nicht impfen" beschäftigt fast alle Eltern in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes. Tatsächlich retten Impfungen jedes Jahr das Leben von schätzungsweise drei Millionen Kindern weltweit. In der Region Berlin-Brandenburg sind bereits 93 Prozent der Kinder geimpft - das ist zwar gut, reicht jedoch noch nicht aus. Für einen wirksamen Herdenschutz benötigen wir eine Quote von etwa 95 Prozent.
Wenn wir uns mit dem Thema "Babys impfen ja oder nein" auseinandersetzen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Vor der Entwicklung des Impfstoffes im Jahr 1913 war die Diphtherie die häufigste Todesursache bei Kindern zwischen drei und fünf Jahren. Jährlich starben etwa 25.000 Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre an den Folgen dieser Infektion. Deshalb empfiehlt die STIKO nicht nur den Schutz jedes einzelnen Kindes, sondern zielt auch darauf ab, bestimmte Krankheiten wie Masern oder Röteln vollständig auszurotten.
In diesem Artikel erfahren wir, was Experten wirklich zum Thema Impfen empfehlen, welche Impfungen für Babys wichtig sind und wie wir als Eltern eine fundierte Entscheidung treffen können.
Was passiert bei einer Impfung?
Bei einer Impfung wird dem Körper eine ungefährliche Version eines Krankheitserregers verabreicht – sozusagen ein "Training" für unser Immunsystem. Nach einer Impfung bildet der Körper Abwehrstoffe gegen jene Krankheitserreger, vor denen die Impfung schützen soll. Tritt später eine Ansteckung mit echten Erregern auf, kann das Abwehrsystem schneller und präziser reagieren und somit eine Erkrankung verhindern oder abschwächen.
Wie Impfstoffe das Immunsystem trainieren
Impfungen sind wie ein gezieltes Training für unser Immunsystem. Sie unterstützen die körpereigene Abwehr, indem sie dem Körper beibringen, wie er eine Krankheit bekämpfen kann, ohne dass wir tatsächlich erkranken müssen. Die verabreichten Impfstoffe werden vom Körper als fremd erkannt und sorgen dafür, dass Antikörper gegen die Erreger gebildet werden.
Zunächst erkennen spezialisierte Abwehrzellen – die Antigen-präsentierenden Zellen – den Impfstoff als fremd. Diese Zellen wandern in die Lymphknoten, die Schaltzentralen unseres Immunsystems. Dort aktivieren sie sowohl B-Zellen als auch T-Zellen. Die B-Zellen produzieren Antikörper, die sich mit dem Blut im ganzen Körper verteilen und eindringende Erreger unschädlich machen können.
Besonders wichtig: Nach einer erfolgreichen Impfung bildet der Körper sogenannte Gedächtniszellen, die auch nach Abklingen einer Immunreaktion jahrelang im Körper verbleiben. Bei einer späteren Begegnung mit dem echten Erreger erinnern sich diese Zellen und können sofort reagieren – dadurch wird die Krankheit verhindert oder verläuft deutlich milder.
Unterschied zwischen Lebend- und Totimpfstoffen
Bei Impfstoffen unterscheiden wir hauptsächlich zwischen zwei Arten:
Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger. Diese sind so modifiziert, dass sie keine Erkrankung mehr auslösen können, aber dennoch eine starke Immunantwort hervorrufen. Der Vorteil: Der Impfschutz hält sehr lange, oft sogar lebenslang nach vollständiger Grundimmunisierung. Beispiele hierfür sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
Totimpfstoffe hingegen enthalten abgetötete Krankheitserreger oder nur Teile davon, die sich nicht mehr vermehren können. Deshalb lösen sie keine Erkrankung aus. Allerdings ist ihre Immunantwort oft schwächer, weshalb sie regelmäßig aufgefrischt werden müssen. Zu den Totimpfstoffen zählen unter anderem Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten.
Der wesentliche Unterschied liegt also in der Dauer des Impfschutzes und der Notwendigkeit von Auffrischungen. Während Lebendimpfstoffe häufig einen langanhaltenden Schutz bieten, muss bei Totimpfstoffen der Schutz durch regelmäßige Auffrischimpfungen erhalten werden.
Warum Impfungen schon im Säuglingsalter beginnen
Das Immunsystem von Babys entwickelt sich noch und kann bestimmte Infektionen nicht immer wirksam abwehren. Infektionen können daher für Säuglinge und Kleinkinder besonders risikoreich sein.
Ein anschauliches Beispiel ist Keuchhusten: Die Erkrankung kann vor allem bei Säuglingen schwere Folgen nach sich ziehen, etwa eine Lungenentzündung oder bleibende Schäden an der Lunge. Nichtgeimpfte Kinder sind ernsthaften Erkrankungen wie Masern, Röteln, Diphtherie oder Keuchhusten schutzlos ausgeliefert. Gerade Babys haben den aggressiven Erregern oft nur wenig entgegenzusetzen, weshalb ihr Risiko für schwere Verläufe bis hin zum Tod deutlich erhöht ist.
Folglich empfehlen Experten, zum frühestmöglichen empfohlenen Zeitpunkt zu impfen, um Säuglinge und Kleinkinder in einem Alter zu schützen, in dem sie für schwere Krankheitsverläufe besonders gefährdet sind. Die meisten Impfungen zur Grundimmunisierung finden bereits im Babyalter statt, mit dem Ziel, den Nachwuchs so früh wie möglich vor bedrohlichen Erkrankungen zu schützen.
Welche Impfungen sind für Babys empfohlen?
Im aktuellen STIKO-Impfkalender 2025 sind mehrere wichtige Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder vorgesehen, die einen umfassenden Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten bieten. Der Impfplan wurde über die Jahre stetig optimiert, um Babys bestmöglich zu schützen und gleichzeitig die Anzahl der notwendigen Impftermine zu reduzieren.
STIKO-Impfkalender im Überblick
Der aktuelle STIKO-Impfkalender 2025 empfiehlt für Säuglinge und Kleinkinder in den ersten zwei Lebensjahren Impfungen gegen insgesamt 13 Krankheiten. Hierzu zählen Rotaviren, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken B und C, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
Die erste Impfrunde beginnt bereits im zarten Alter von 2 Monaten. Zu diesem Zeitpunkt erhalten Babys die erste Grundimmunisierung gegen zahlreiche Erkrankungen, darunter die Sechsfachimpfung sowie Schutz gegen Pneumokokken und Meningokokken B. Zusätzlich kann ab der sechsten Lebenswoche die Rotavirus-Schluckimpfung verabreicht werden.
Mit 4 Monaten folgt die zweite Grundimmunisierung, und im Alter von 11 Monaten erhält das Kind die dritte Impfdosis der Grundimmunisierung. Ab dem 12. Lebensmonat werden dann weitere Impfungen wie Meningokokken C hinzugefügt.
Besonders erwähnenswert: Seit 2020 empfiehlt die STIKO für reifgeborene Säuglinge das vereinfachte 2+1-Impfschema für die Sechsfachimpfung, wodurch eine Impfdosis eingespart werden kann, ohne den Impfschutz zu beeinträchtigen. Für Frühgeborene (geboren vor der 37. SSW) gilt jedoch weiterhin das umfangreichere 3+1-Schema mit Impfungen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten.
Sechsfachimpfung: Was ist enthalten?
Die Sechsfachimpfung ist ein zentraler Bestandteil des Impfkalenders und schützt mit nur einer Injektion vor sechs verschiedenen Infektionskrankheiten. Enthalten sind Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B.
Bei diesem Impfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, der keine funktionsfähigen Krankheitserreger enthält. Stattdessen besteht er aus Diphtherie- und Tetanus-Toxoid, azellulären Pertussis-Antigenen, Polysacchariden von Haemophilus influenzae Typ b, inaktivierten Polio-Viren der Typen 1, 2 und 3 sowie dem Hepatitis-B-Surface-Antigen.
Die Wirksamkeit der Sechsfachimpfung ist beeindruckend: Nach vollständiger Grundimmunisierung sind Säuglinge und Kleinkinder zu über 90% gegen fünf der sechs Infektionskrankheiten langfristig geschützt. Noch genauer: Bei 99 von 100 Kindern besteht nach der dritten Teilimpfung ein ausreichender Impfschutz.
Das empfohlene 2+1-Impfschema sieht vor, dass die Impfserie im Alter von 8 Wochen beginnt, mit Folgeimpfungen im Alter von 4 und 11 Monaten. Besonders wichtig für einen zuverlässigen Langzeitschutz ist dabei, zwischen der zweiten und dritten Impfstoffdosis einen Abstand von mindestens 6 Monaten einzuhalten.
Zusätzliche Impfungen wie Pneumokokken und Meningokokken
Neben der Sechsfachimpfung werden weitere wichtige Einzelimpfungen empfohlen. Die Pneumokokken-Impfung wird für alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat empfohlen. Zum Aufbau des Impfschutzes sind drei Impfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten vorgesehen. Diese Impfung ist besonders wichtig, da Pneumokokken-Infektionen zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und sogar Blutvergiftungen führen können.
Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO zudem allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B. Die Impfserie soll nach dem 2+1-Schema im Alter von 2, 4 und 12 Monaten erfolgen. Nachholimpfungen werden für Kinder bis zum fünften Geburtstag empfohlen.
Darüber hinaus wird allen Kindern zu Beginn des zweiten Lebensjahres eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C empfohlen. Um einen möglichst frühen Immunschutz zu erreichen und die Anzahl der Impftermine zu reduzieren, empfiehlt die STIKO, die Meningokokken-B-Impfung an einem Termin mit den anderen empfohlenen Impfungen durchzuführen.
Die STIKO ermöglicht durchaus die gleichzeitige Verabreichung von bis zu drei Injektionsimpfstoffen, um die Anzahl der Arztbesuche zu minimieren. Dies ist für viele Eltern eine willkommene Erleichterung im oft hektischen Alltag mit einem Baby.
Wie sicher sind Impfungen für Babys?
Die Sicherheit von Impfungen ist verständlicherweise eine der größten Sorgen für Eltern. Wenn wir die Frage "Babys impfen oder nicht impfen" betrachten, sollten wir uns mit den wissenschaftlichen Fakten auseinandersetzen.
Zulassungsverfahren und Sicherheitsstandards
Impfstoffe zählen zu den am strengsten kontrollierten Arzneimitteln überhaupt. In Deutschland durchlaufen sie ein rigoroses Zulassungsverfahren, bevor sie überhaupt verabreicht werden dürfen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist als Bundesinstitut für Impfstoffe zuständig für die Bewertung der Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit. Darüber hinaus erfolgt nach der Zulassung eine kontinuierliche Überwachung der Impfstoffe im Rahmen der Pharmakovigilanz.
Für die Zulassung eines neuen Impfstoffs wie beispielsweise des RSV-Impfstoffs Abrysvo von 2023 waren umfangreiche klinische Studien mit tausenden Teilnehmern erforderlich. Allein in der Studie für schwangere Frauen wurden 3.695 Personen mit dem Impfstoff und 3.697 mit einem Placebo behandelt.
Typische Impfreaktionen und wie man damit umgeht
Nach einer Impfung reagiert das Immunsystem ähnlich wie auf eine echte Infektion. Bei etwa 10% aller geimpften Kinder kommt es zu einer Impfreaktion. Diese sind in der Regel harmlos und verschwinden nach wenigen Tagen von selbst. Zu den häufigsten Reaktionen zählen:
Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle
Leichtes Fieber
Unwohlsein oder Müdigkeit
Bei Lebendimpfstoffen (wie Masern-Mumps-Röteln) können 7-14 Tage nach der Impfung abgeschwächte Symptome der Erkrankung auftreten
Diese Impfreaktionen zeigen lediglich, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt und die körpereigene Abwehr aktiv ist. Bei Beschwerden können Sie in Absprache mit Ihrem Kinderarzt fiebersenkende Mittel geben oder die Einstichstelle kühlen.
Schwerwiegende Impfkomplikationen hingegen sind äußerst selten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1:1.000.000. Bei den heute in Deutschland empfohlenen Impfstoffen sind – bei Beachtung der Kontraindikationen – schwere Komplikationen kaum zu erwarten.
Was Studien zu Langzeitfolgen sagen
Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen: Das Risiko, durch eine Impfung geschädigt zu werden, ist verschwindend gering. Die Gefahr, dass ein Kind im ersten Lebensjahr am plötzlichen Säuglingstod stirbt, ist etwa tausendmal höher als eine Schädigung durch eine Impfung.
Insbesondere die früheren Bedenken bezüglich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus wurden durch zahlreiche umfangreiche Studien entkräftet. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege für einen solchen Zusammenhang.
Eine ausführliche Studie, die sogenannte TOKEN-Studie, untersuchte speziell Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit Sechsfachimpfungen. Die Ergebnisse zeigten: Innerhalb einer Woche nach der Impfung konnte kein erhöhtes Sterberisiko nachgewiesen werden. Tatsächlich kommt es bei Babys, die in Bauchlage schlafen oder deren Mütter rauchen, häufiger zu plötzlichen Todesfällen – unabhängig von Impfungen.
Die Entscheidung "Babys impfen ja oder nein" sollte letztlich auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden. Moderne Impfstoffe haben ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil und werden nur zugelassen, wenn ihr Nutzen die Risiken deutlich überwiegt.
Was spricht gegen das Impfen – und was dagegen?
Trotz umfangreicher Forschung und ärztlicher Empfehlungen zweifeln manche Eltern, ob Impfungen im Säuglingsalter wirklich notwendig sind. Diese Bedenken sind verständlich – schließlich geht es um das Wohl unseres Nachwuchses. Doch was steckt hinter diesen Sorgen, und wie sieht die wissenschaftliche Faktenlage aus?
Häufige Sorgen von Eltern
Viele Eltern befürchten, dass die zahlreichen Impfungen das noch unreife Immunsystem ihres Babys überfordern könnten. Tatsächlich zeigen Studien jedoch: Das kindliche Immunsystem ist für diese Aufgabe bestens gerüstet. Selbst eine Sechsfachimpfung belastet das Immunsystem weniger als eine gewöhnliche Erkältung. Bemerkenswert: Während der alte Keuchhusten-Impfstoff etwa 3.000 Antigene enthielt, beinhalten alle heutigen Schutzimpfungen zusammen nur etwa 150.
Andere Bedenken betreffen mögliche Nebenwirkungen. Zwar können nach Impfungen Rötungen, Schwellungen oder leichtes Fieber auftreten – diese Symptome zeigen allerdings lediglich, dass das Immunsystem wie gewünscht arbeitet und verschwinden in der Regel nach ein bis drei Tagen.
Mythen und wissenschaftliche Fakten
Ein hartnäckiger Mythos behauptet, Impfungen könnten Autismus auslösen. Diese Annahme basiert auf einer inzwischen vollständig widerlegten Studie mit nur zwölf Teilnehmern. Zahlreiche umfangreiche Untersuchungen – darunter eine mit über 537.000 dänischen Kindern – haben keinerlei Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus nachweisen können.
Manche Eltern glauben zudem, Impfungen könnten die Krankheiten auslösen, gegen die sie schützen sollen. Dies ist jedoch bei modernen Impfstoffen praktisch ausgeschlossen. Insbesondere Totimpfstoffe, die abgetötete Erreger oder nur Teile davon enthalten, können die entsprechende Krankheit nicht verursachen.
Warum Herdenimmunität wichtig ist
Besonders wichtig ist das Konzept der Herdenimmunität. Wenn ausreichend viele Menschen geimpft sind, wird die Ausbreitung von Krankheitserregern effektiv eingedämmt. Dadurch werden indirekt auch jene geschützt, die nicht geimpft werden können – etwa Neugeborene oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Bei Masern beispielsweise ist eine Durchimpfungsrate von mindestens 95% erforderlich, um die Verbreitung des hochansteckenden Virus zu stoppen. Dennoch liegt die Impfquote bei deutschen Kindern zwischen 3 und 17 Jahren bei nur 93,6% für beide erforderlichen Impfungen. Folglich kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen.
Wer sein Kind nicht impfen lässt, gefährdet daher nicht nur den eigenen Nachwuchs, sondern auch besonders schutzbedürftige Menschen im Umfeld. Das Risiko: Ein einzelner Infizierter kann zahlreiche weitere Personen anstecken – ein Effekt, der durch Impfungen wirksam verhindert werden kann.
Was sagen Kinderärzte zur Impfentscheidung?
Kinderärzte stehen täglich vor der Herausforderung, Eltern bei einer der wichtigsten Gesundheitsentscheidungen für ihr Kind zu unterstützen. In Gesprächen mit besorgten Eltern zeigt sich: Die professionelle Beratung spielt eine entscheidende Rolle.
Empfehlungen aus der Praxis
Die meisten Kinderärzte orientieren sich an den STIKO-Empfehlungen und betrachten diese als medizinischen Standard. Tatsächlich empfehlen viele Praxen zusätzlich zur Grundimmunisierung auch die Grippeimpfung – besonders für Kindergarten- und Krippenkinder, da sie häufig Infektionen in Familien bringen. Manche Kinderärzte vertreten allerdings einen strengeren Standpunkt: "Wer alle Impfungen komplett verweigert, den versuche ich zu überreden einen Arzt zu suchen, der das mittragen kann. Sprich: Die schmeiße ich raus".
Individuelle Beratung statt pauschaler Vorgaben
Kinderärzte betonen zunehmend die Bedeutung individueller Beratung. "Mich interessiert zunächst, mit welcher Frage die Eltern zu mir kommen – um sie anschließend dort abzuholen, wo sie gerade stehen", erklärt ein Kinderarzt. Einige Fachleute weisen darauf hin, dass ein Verschieben des Impfbeginns auf das zweite Lebensjahr das Risiko von Komplikationen reduzieren kann. Darüber hinaus ist es rechtlich geklärt: Bei Uneinigkeit der Eltern erhält derjenige Elternteil die Entscheidungsbefugnis, der den STIKO-Empfehlungen folgt.
Wie Vertrauen zwischen Arzt und Eltern entsteht
Vertrauen bildet die Grundlage für gemeinsame Impfentscheidungen. Obwohl das Vertrauen in Impfungen seit der COVID-19-Pandemie gesunken ist – von 85% auf 70% bei Eltern – gelten Ärzte mit 65% weiterhin als vertrauenswürdigste Informationsquelle. Viele Praxen bieten daher besondere Unterstützung: "Lesen Sie sich die Informationen in Ruhe durch und schreiben Sie Fragen auf, die wir vor der Impfung beantworten. Sie können diese Fragen auch schon vor dem Impftermin stellen, damit Sie am Impftag nicht unter Zeitdruck entscheiden". Zudem trennen manche Praxen Termine für gesunde Kinder von denen für kranke, um Ansteckungsrisiken zu minimieren.
Fazit
Die Entscheidung "Babys impfen oder nicht impfen" gehört zweifellos zu den wichtigsten gesundheitsbezogenen Entscheidungen, die Eltern für ihre Kinder treffen müssen. Nach Betrachtung aller Fakten wird deutlich, dass moderne Impfstoffe nicht nur sicher sind, sondern auch einen unschätzbaren Beitrag zum Schutz unserer Kleinsten leisten. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Daten, dass die Risiken einer Impfung verschwindend gering sind im Vergleich zu den Gefahren der Krankheiten selbst.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Impfkalenders 2025, der durch das 2+1-Schema für viele Impfungen den Familien entgegenkommt, ohne den Schutz zu beeinträchtigen. Gleichzeitig schützen wir durch rechtzeitige Impfungen nicht nur unsere eigenen Kinder, sondern tragen wesentlich zur Herdenimmunität bei, die für den Schutz derjenigen unerlässlich ist, die selbst nicht geimpft werden können.
Falls Sie als Eltern noch unsicher sind, suchen Sie das offene Gespräch mit Ihrem Kinderarzt. Stellen Sie Fragen, äußern Sie Bedenken und lassen Sie sich individuell beraten. Obwohl die Impfentscheidung letztendlich bei den Eltern liegt, bilden die STIKO-Empfehlungen einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, der das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellt.
Wir sollten uns stets vor Augen halten: Dank moderner Impfstoffe müssen wir heute nicht mehr erleben, wie tausende Kinder an Diphtherie oder anderen vermeidbaren Krankheiten sterben. Diese medizinische Errungenschaft hat in wenigen Jahrzehnten mehr Kinderleben gerettet als fast jede andere Maßnahme im Gesundheitsbereich. Letztendlich liegt es an uns als Gesellschaft, diese Erfolge durch verantwortungsvolle Impfentscheidungen zu bewahren und unseren Kindern eine Zukunft ohne vermeidbare Infektionskrankheiten zu ermöglichen.
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