Lakritze in der Schwangerschaft: Was Gynäkologen Ihnen wirklich sagen sollten

Lakritze in der Schwangerschaft kann weitreichende Folgen haben, die viele werdende Mütter nicht kennen. Tatsächlich belegt eine finnische Studie, dass der Verzehr dieser beliebten Süßigkeit die Entwicklung des ungeborenen Kindes nachhaltig schädigen kann. Besonders alarmierend: Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Lakritz konsumierten, zeigten später einen um bis zu sieben Punkte niedrigeren Intelligenzquotient [-2].
Der Konsum von Lakritz in der Schwangerschaft wird oft unterschätzt, obwohl die Risiken wissenschaftlich dokumentiert sind. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollte die tägliche Aufnahme von Glycyrrhizin – dem kritischen Inhaltsstoff in Lakritz – auf unter 100 Milligramm beschränkt werden. Allerdings kann bereits eine wöchentliche Menge von 700 mg für das Kind schädlich sein. Studien zeigen zudem, dass Kinder von Frauen, die wöchentlich mehr als 100 Gramm Lakritz verzehrten, ein dreimal höheres ADHS-Risiko aufwiesen. In diesem Artikel erfahren wir, warum Gynäkologen dieses Thema oft unterschätzen, welche konkreten Risiken bestehen und wie Schwangere verantwortungsvoll damit umgehen können.
Was Gynäkologen über Lakritz wissen (sollten)
Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) rät Schwangeren dringend, keine lakritzhaltigen Produkte zu konsumieren. Dennoch wird dieses Thema in vielen gynäkologischen Praxen kaum angesprochen oder unterschätzt.
Warum das Thema oft unterschätzt wird
In Deutschland existieren keine gesetzlichen Höchstgrenzen für Glycyrrhizin in Lebensmitteln. Lediglich Lakritzprodukte mit mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g müssen als "Starklakritz" gekennzeichnet werden. Zudem ist der genaue Glycyrrhizinsäuregehalt auf den Verbraucherhinweisen auf Lakritzverpackungen für Konsumentinnen nicht ersichtlich.
Ein weiteres Problem: Die wissenschaftliche Debatte über die Kausalität zwischen Lakritzkonsum und Entwicklungsstörungen bei Kindern ist nicht abgeschlossen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont, dass Beobachtungsstudien allein nicht geeignet sind, Kausalzusammenhänge abzuleiten. Allerdings sprechen die Übereinstimmungen mit tierexperimentellen Ergebnissen und der plausible Wirkungsmechanismus für einen echten Zusammenhang.
Wissenschaftliche Grundlagen einfach erklärt
Glycyrrhizinsäure, der kritische Inhaltsstoff in Lakritz, hemmt ein Enzym, das die Umwandlung von Cortisol in Cortison katalysiert. Dieses Enzym (11-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2) ist auch in der Plazenta enthalten, wo es normalerweise 80 bis 90 Prozent des Cortisols inaktiviert, das sonst in den Kreislauf des Kindes übertreten würde. Folglich führt der Verzehr von Lakritz während der Schwangerschaft zu einer höheren Cortisol-Konzentration beim Fötus.
Die finnische Psychologin Katri Räikkönen begleitet seit Jahren eine Kohorte von Frauen, die 1998 entbunden haben. Bei der Untersuchung der Kinder im Alter von acht Jahren zeigte sich, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure wöchentlich konsumierten (etwa in 100 g Lakritz enthalten), in mehreren Tests zur kognitiven Entwicklung schlechter abschnitten. Sie hatten:
Einen geringeren Wortschatz
Ein schlechteres Gedächtnis
Ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen
Eine verminderte Konzentrationsfähigkeit
Besonders besorgniserregend: Der Intelligenzquotient dieser Kinder war im Alter von zwölf Jahren um sieben Punkte niedriger als bei nicht exponierten Kindern. Darüber hinaus litten sie 3,3-mal häufiger an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.
Wissenschaftler stufen Mengen von mehr als 250 g Lakritz bzw. 500 mg Glycyrrhizin pro Woche als riskant ein, während kleinere Mengen bis zu 125 g bzw. 249 mg Glycyrrhizin pro Woche als unbedenklich gelten.
Welche Risiken bestehen für das ungeborene Kind?
Finnische Forschungsergebnisse zeigen beunruhigende Zusammenhänge zwischen Lakritzkonsum in der Schwangerschaft und der Entwicklung des ungeborenen Kindes. Die Auswirkungen können weitreichend sein und bleiben oftmals bis ins Jugendalter bestehen.
Einfluss auf Gehirnentwicklung und Verhalten
Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft wöchentlich mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure (etwa 100 g Lakritz) konsumierten, wiesen im Alter von acht Jahren erhebliche kognitive Einschränkungen auf. Konkret zeigten sie einen geringeren Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen. Die verminderte Konzentrationsfähigkeit und eine erhöhte Neigung zu aggressivem Verhalten waren besonders auffällig.
Der biologische Mechanismus dahinter ist aufschlussreich: Glycyrrhizin hemmt das Enzym 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase in der Plazenta. Dadurch gelangt vermehrt aktives Cortisol in den fetalen Kreislauf, was die Gehirnentwicklung beeinträchtigt. Insbesondere reagiert der Hippocampus, der an der Regulation verschiedener kognitiver Prozesse beteiligt ist, empfindlich auf Veränderungen im Glukokortikoidhaushalt.
Zusammenhang mit ADHS und Depressionen
Der IQ von Kindern, deren Mütter viel Lakritz während der Schwangerschaft konsumierten, war im Alter von zwölf Jahren durchschnittlich um sieben Punkte niedriger als bei nicht exponierten Kindern. Zudem litten diese Kinder 3,3-mal häufiger an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Auch seelische Erkrankungen wie Depressionen werden bei diesen Kindern häufiger beobachtet.
Die finnischen Wissenschaftler vergleichen die Effektstärke des Lakritzkonsums mit jener des Binge-Drinkings während der Schwangerschaft. In beiden Fällen gibt es erhöhte Raten kognitiver Defizite und Verhaltensauffälligkeiten bei den im Mutterleib exponierten Kindern.
Frühzeitige Pubertät bei Mädchen
Überraschenderweise wirkt sich der Lakritzkonsum in der Schwangerschaft auch auf die körperliche Entwicklung aus. Mädchen, deren Mütter viel Lakritz aßen, waren im Alter von zwölf Jahren im Durchschnitt mehr als drei Zentimeter größer und acht Kilogramm schwerer als ihre Altersgenossinnen. Ihr Body-Mass-Index lag um 2,2 kg/m² höher.
Die Pubertät setzte bei diesen Mädchen früher ein und schritt schneller voran. Auffällig war die ausgeprägtere Schambehaarung und ein deutlicheres Brustwachstum. Bei etwa 60% der betroffenen Mädchen hatte die Menstruation bereits eingesetzt, während dies in der Vergleichsgruppe nur bei 40% der Fall war.
Wie sollten Ärzte mit Patientinnen darüber sprechen?
Die Kommunikation zwischen Gynäkologen und Patientinnen zum Thema Lakritze in der Schwangerschaft erfordert Fingerspitzengefühl. Obwohl die Risiken ernst sind, sollte die Vermittlung dieser Information ohne übertriebene Ängste erfolgen.
Klare Kommunikation ohne Panikmache
Ärzte sollten das Thema Lakritz aktiv ansprechen, ohne unnötige Sorgen zu schüren. Eine Studie aus Helsinki zeigt, dass klare Aufklärung notwendig ist, da die negativen Auswirkungen bis ins Teenageralter reichen können. Wichtig ist, Schwangeren zu erläutern, dass nicht jeder Lakritzkonsum automatisch schädlich ist, sondern vor allem regelmäßiger und mengenmäßig hoher Verzehr. Obwohl manche Wissenschaftler zum völligen Verzicht raten, empfehlen andere einen moderaten Umgang.
Grenzwerte verständlich erklären
Gynäkologen sollten folgende Grenzwerte kommunizieren:
Nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag
Bei Kinderlakritz: maximal 100 Gramm täglich
Bei Starklakritz: höchstens 25 Gramm täglich
Wöchentliche Aufnahme von 500 mg Glycyrrhizin gilt bereits als riskant
Diese Werte sollten verständlich und ohne Fachbegriffe vermittelt werden. Dabei kann der Vergleich helfen: "500 mg Glycyrrhizin entsprechen etwa 100 g reiner Lakritz oder sieben Lakritzschnecken täglich".
Versteckte Quellen von Glycyrrhizin ansprechen
Zahlreiche Produkte enthalten Süßholzwurzel, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist. Daher sollten Ärzte darauf hinweisen, dass nach EU-Verordnung Süßwaren mit mindestens 100 mg/kg Glycyrrhizinsäure den Hinweis "enthält Süßholz" tragen müssen. Zudem gelten ab Konzentrationen von 4 g/kg besondere Warnhinweise bezüglich Bluthochdruck. Die versteckten Quellen wie Tees, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und Kräuterliköre sollten in der Beratung nicht vergessen werden.
Individuelle Beratung je nach Konsumverhalten
Die Beratung muss individuell angepasst werden. Bei Schwangeren mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Diabetes ist besondere Vorsicht geboten. Frauen, die bisher gelegentlich kleine Mengen Lakritz gegessen haben, brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Für Lakritz-Liebhaberinnen sollten Ärzte gesunde Alternativen vorschlagen und betonen, dass die Einschränkung zeitlich begrenzt ist.
Die Kommunikation sollte stets wertschätzend erfolgen und die Selbstbestimmung der Schwangeren respektieren – allerdings mit klarer Darstellung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und möglichen Risiken.
Was können Schwangere konkret tun?
Als Schwangere benötige ich konkrete Handlungsempfehlungen zum Thema Lakritz. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollte ich auf den "ständigen Verzehr größerer Mengen an Lakritze verzichten".
Lakritz und Süßholzprodukte meiden
Der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt, sich bei süßholzhaltigen Tees und Lakritz zurückzuhalten. Besonders wichtig: Bei Bluthochdruck, Herz-Kreislaufproblemen oder Diabetes sollte ich komplett auf Süßholzprodukte verzichten. Wer absolut sicher gehen möchte, meidet Lakritz während der gesamten Schwangerschaft. Für alle anderen gilt: Nicht mehr als 100 g normales Lakritz (etwa sieben Lakritzschnecken) oder 50 g Starklakritz pro Woche.
Etiketten richtig lesen
Süßholzwurzel versteckt sich in vielen Produkten. Daher gilt:
Bei Tees ins Zutatenverzeichnis schauen, ob Süßholz enthalten ist
Auf Warnhinweise achten: Ab 100 mg/kg Glycyrrhizinsäure muss "enthält Süßholz" auf der Verpackung stehen
Bei Konzentrationen ab 4 g/kg erscheint der Hinweis "enthält Süßholz — bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden"
Starklakritz oder "Extra starkes Erwachsenenlakritz" komplett meiden
Gesunde Alternativen wählen
Gegen ein bis zwei Tassen Teemischungen mit Süßholz am Tag spricht nichts, solange ich sie nicht kannenweise trinke. Jedoch sollte ich während der Stillzeit ebenfalls auf große Mengen Süßholzwurzel und Lakritzprodukte verzichten. Insbesondere bei Heißhungerattacken auf Süß-Salziges kann ich auf unbedenkliche Alternativen wie Salzbrezel oder leicht gesalzene Nüsse ausweichen.
Fazit
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Lakritze in der Schwangerschaft sind eindeutig besorgniserregend. Zweifellos sollten werdende Mütter den Konsum stark einschränken oder gänzlich darauf verzichten. Die finnischen Studien zeigen überzeugend, dass bereits moderate Mengen Glycyrrhizin die kognitive Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können.
Während der Schwangerschaft trage ich als Mutter große Verantwortung für die Gesundheit meines ungeborenen Kindes. Dementsprechend ist es ratsam, Produkte mit Süßholzwurzel genau zu prüfen und Alternativen zu finden. Besonders wichtig dabei: Die Etiketten sorgfältig lesen und versteckte Glycyrrhizin-Quellen identifizieren.
Obwohl viele Gynäkologen dieses Thema noch nicht ausreichend ansprechen, wächst das Bewusstsein für die potenziellen Risiken. Die Beschränkung auf maximal 100 Gramm normales Lakritz oder 50 Gramm Starklakritz pro Woche ist daher eine vernünftige Richtlinie für Schwangere, die nicht komplett verzichten möchten.
Letztendlich geht es nicht darum, unnötige Ängste zu schüren, sondern fundierte Entscheidungen zu treffen. Die vorübergehende Einschränkung des Lakritzkonsums ist ein kleiner Preis für die langfristige kognitive Gesundheit meines Kindes. Ungeachtet meiner persönlichen Vorlieben steht die Gesundheit meines Babys an erster Stelle – und dafür lohnt sich jeder Verzicht.
FAQs
Q1. Ist der Verzehr von Lakritz während der Schwangerschaft gefährlich? Ja, der regelmäßige Konsum größerer Mengen Lakritz kann während der Schwangerschaft gefährlich sein. Studien zeigen, dass er die kognitive Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und zu einem erhöhten Risiko für ADHS führen kann.
Q2. Wie viel Lakritz darf man in der Schwangerschaft maximal essen? Experten empfehlen, nicht mehr als 100 Gramm normales Lakritz oder 50 Gramm Starklakritz pro Woche zu verzehren. Die tägliche Aufnahme von Glycyrrhizin, dem kritischen Inhaltsstoff in Lakritz, sollte 100 Milligramm nicht überschreiten.
Q3. Welche Auswirkungen kann übermäßiger Lakritzkonsum auf das ungeborene Kind haben? Übermäßiger Lakritzkonsum während der Schwangerschaft kann zu einem niedrigeren IQ, Verhaltensauffälligkeiten, ADHS und einer frühzeitigen Pubertät bei Mädchen führen. Auch die Gehirnentwicklung und das Verhalten des Kindes können beeinträchtigt werden.
Q4. Gibt es versteckte Quellen von Glycyrrhizin, auf die Schwangere achten sollten? Ja, Glycyrrhizin kann sich auch in Süßholztees, bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln und Kräuterlikören verstecken. Schwangere sollten Etiketten sorgfältig lesen und auf Hinweise wie "enthält Süßholz" achten, besonders bei Tees und Süßwaren.
Q5. Welche Alternativen gibt es für Lakritz-Liebhaberinnen während der Schwangerschaft? Schwangere können auf unbedenkliche Alternativen wie Salzbrezel oder leicht gesalzene Nüsse ausweichen, besonders bei Heißhunger auf Süß-Salziges. Auch ein moderater Konsum von Teemischungen mit Süßholz (1-2 Tassen täglich) gilt als unbedenklich, solange sie nicht in großen Mengen getrunken werden.
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