Süßstoff in der Schwangerschaft: Was Experten 2025 wirklich empfehlen

Süßstoff schwangerschaft - ein Thema, das viele werdende Mütter beschäftigt. Während wir oft hören, dass künstliche Süßungsmittel eine kalorienarme Alternative zu Zucker darstellen, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse ein beunruhigendes Bild: Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft täglich künstliche Süßstoffe konsumierten, waren im Alter von einem Jahr doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder von Müttern ohne Süßstoffkonsum.
Tatsächlich ist die Verwendung von Süßstoff in der Schwangerschaft komplexer als viele denken. Diese Substanzen können die Plazenta passieren und später in die Muttermilch gelangen, was möglicherweise Auswirkungen auf das Baby haben könnte. Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Süßstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit für unwahrscheinlich hält, fehlt es derzeit noch an aussagekräftigen Langzeitstudien. In diesem Artikel untersuchen wir die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema und geben Ihnen einen Überblick, was Experten im Jahr 2025 wirklich empfehlen.
Was genau ist Süßstoff und wie unterscheidet er sich von Zucker?
Grundsätzlich handelt es sich bei Süßstoffen um Lebensmittelzusatzstoffe, die als kalorienfreie oder kalorienreduzierte Alternativen für Zucker dienen. Sie werden in vielen verarbeiteten Lebensmitteln wie Erfrischungsgetränken, Süßwaren und Milchprodukten verwendet. Der entscheidende Unterschied zu normalem Haushaltszucker liegt in ihrer deutlich höheren Süßkraft und dem minimalen Kaloriengehalt. Während Zucker 4 Kalorien pro Gramm liefert, enthalten Süßstoffe praktisch keine Kalorien.
Diese besondere Eigenschaft macht Süßstoffe besonders interessant für schwangere Frauen, die auf ihr Gewicht achten möchten. Jedoch ist es wichtig, die verschiedenen Arten von Süßungsmitteln zu verstehen, bevor man sie in der Schwangerschaft konsumiert.
Zugelassene Süßstoffe in Deutschland
In der Europäischen Union und damit auch in Deutschland sind derzeit 11 Süßstoffe zugelassen. Diese umfassen:
Acesulfam K (E 950) – 130-200-fache Süßkraft im Vergleich zu Zucker
Aspartam (E 951) – 200-fache Süßkraft
Cyclamat (E 952) – 30-50-fache Süßkraft
Saccharin (E 954) – 300-500-fache Süßkraft
Sucralose (E 955) – 600-fache Süßkraft
Thaumatin (E 957) – 2.000-3.000-fache Süßkraft
Neohesperidin DC (E 959) – 400-600-fache Süßkraft
Steviolglycoside (E 960) – 200-300-fache Süßkraft
Neotam (E 961) – 7.000-13.000-fache Süßkraft
Aspartam-Acesulfamsalz (E 962) – 350-fache Süßkraft
Advantam (E 969) – 20.000-37.000-fache Süßkraft
Für jeden zugelassenen Süßstoff existiert ein ADI-Wert (Acceptable Daily Intake), der die Menge angibt, die täglich ohne gesundheitliche Bedenken konsumiert werden kann. Diese Werte werden regelmäßig von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) überprüft.
Wichtig zu wissen ist, dass Aspartam und Aspartam-Acesulfamsalz für Menschen mit der Stoffwechselstörung Phenylketonurie giftig sind. Daher müssen Produkte mit diesen Süßstoffen den Hinweis "enthält eine Phenylalaninquelle" tragen.
Unterschied zu Zuckeraustauschstoffen
Im Gegensatz zu Süßstoffen sind Zuckeraustauschstoffe, auch Zuckeralkohole oder Polyole genannt, chemisch näher mit Zucker verwandt. Während Süßstoffe kaum Kalorien enthalten, liefern Zuckeraustauschstoffe etwa 2,4 Kalorien pro Gramm – immerhin nur halb so viel wie normaler Zucker.
In der EU sind acht Zuckeraustauschstoffe zugelassen: Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Polyglycitolsirup (E 964), Maltit (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967) und Erythrit (E 968).
Ein weiterer wichtiger Unterschied: Während Süßstoffe keine Verdauungsprobleme verursachen, können Zuckeraustauschstoffe bei übermäßigem Verzehr abführend wirken. Aus diesem Grund muss bei einem Anteil von über 10 Prozent am Gesamtprodukt der Warnhinweis "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" auf dem Etikett stehen.
Wo Süßstoffe überall enthalten sind
Süßstoffe finden sich heutzutage in einer Vielzahl von Lebensmitteln. Besonders häufig kommen sie in:
Zuckerfreien Getränken und Light-Erfrischungsgetränken
Süßwaren und Kaugummis
Desserts und Milchprodukten
Brotaufstrichen und Marmeladen
Konfitüren
Konserven (Obst, Gemüse, Fisch)
Feinkostsalaten
Senf und Soßen
Außerdem sind Süßstoffe auch als Tafelsüße erhältlich, beispielsweise in Form von Tabletten oder flüssig zum Süßen von Speisen und Getränken.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) untersuchte mit der MEAL-Studie die Konzentration von Süßungsmitteln in Erfrischungsgetränken und stellte fest, dass 87 von 92 untersuchten kalorienreduzierten Getränken mehr als ein Süßungsmittel enthielten. Dies liegt daran, dass manche Süßstoffe in höheren Konzentrationen einen bitter-metallischen Beigeschmack verursachen können, der durch die Kombination mit anderen Süßungsmitteln vermieden wird.
Was sagen aktuelle Studien zur Sicherheit von Süßstoff in der Schwangerschaft?
Die Forschung zur Sicherheit von künstlichen Süßungsmitteln während der Schwangerschaft liefert zunehmend beunruhigende Erkenntnisse. Obwohl Süßstoffe allgemein als sichere Nahrungsergänzungsmittel gelten, zeigen neuere Studien, dass ihre Auswirkungen während dieser sensiblen Phase komplexer sein könnten als bisher angenommen.
Tierversuche: Hinweise auf Übergewicht und Darmflora-Veränderung
Tierstudien liefern erste Anhaltspunkte für mögliche Risiken von Süßstoff in der Schwangerschaft. In einer kanadischen Studie wurden trächtige Ratten mit Aspartam oder Stevia versorgt. Bemerkenswert hierbei: Während die Süßstoffe nur minimale Auswirkungen auf die Muttertiere hatten, zeigten sich bei deren Nachkommen signifikante Effekte.
Die Jungtiere entwickelten:
ein erhöhtes Körpergewicht und höheren Körperfettanteil
deutliche Veränderungen im Darmmikrobiom
eine Zunahme von Propionat- und Butyrat-produzierenden Mikroben
einen Rückgang von Laktose-fermentierenden Bakterien
Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass diese Veränderungen auftraten, obwohl der Nachwuchs selbst nie Süßstoffe konsumiert hatte. Auch andere Tierversuche zeigten, dass verschiedene Süßstoffe die Darmflora teils massiv verändern können, was zu Übergewicht und einem gestörten Glukosestoffwechsel führen kann.
In einem weiteren Experiment führte der Konsum von mit Süßstoff angereichertem Trinkwasser bei Mäusen zu einem höheren Anstieg der Glukosewerte als in Vergleichsgruppen, deren Trinkwasser mit normalen Zuckerarten versetzt war. Diese gestörte Glukosetoleranz konnte sowohl bei normalgewichtigen als auch bei vorher gemästeten Tieren festgestellt werden – ein Risikofaktor, den Diabetologen als Vorstufe zum Typ-2-Diabetes betrachten.
Humanstudien: BMI-Erhöhung bei Kindern
Noch aufschlussreicher sind Daten aus Humanstudien. In einer Untersuchung der "Canadian Healthy Infant Longitudinal Development"-Studie zeigte sich, dass Kinder von Müttern, die täglich künstliche Süßstoffe einnahmen (etwa 5,1% aller untersuchten Schwangeren), im Alter von einem Jahr mehr als doppelt so häufig übergewichtig waren. Die Odds Ratio betrug 2,43 (95%-Konfidenzintervall 1,30-4,55).
Selbst nach Berücksichtigung möglicher anderer Risikofaktoren wie Rauchen blieb dieser Zusammenhang statistisch signifikant. Die angepasste Odds Ratio lag bei 2,19 (95%-Konfidenzintervall 1,23-3,88).
Eine weitere Beobachtungsstudie mit 3.371 Teilnehmern stellte fest, dass Personen, die täglich künstliche Süßungsmittel konsumierten, im Vergleich zu Nicht-Konsumenten einen um 0,77 kg/m² höheren BMI aufwiesen.
Außerdem brachten dänische Forscher in einer Humanstudie einen hohen Süßstoffkonsum mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten in Verbindung. Heiß diskutiert werden auch zwei groß angelegte prospektive Kohortenstudien mit über 120.000 Frauen, die den regelmäßigen Konsum von Lightgetränken während der Schwangerschaft im Vergleich zu zuckerhaltigen Limonaden mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten assoziieren.
Kritik an der Studienlage: fehlende Langzeitdaten
Allerdings ist die aktuelle Studienlage nicht eindeutig. Experten weisen darauf hin, dass einige Untersuchungen methodische Mängel aufweisen. Viele Ergebnisse basieren zudem auf Tierversuchen, deren Übertragbarkeit auf den Menschen nicht immer gegeben ist.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont, dass mögliche kurz- und langfristige Effekte des Konsums von süßungsmittelgesüßten Getränken in der Schwangerschaft aufgrund der limitierten Studienlage und der inkonsistenten Ergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend abgeschätzt werden können.
Um eine evidenzbasierte Aussage zu Nutzen und Risiken von künstlichen Süßungsmitteln auf die Gesundheit und das Gewicht machen zu können, sind weitere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) nötig, die einen längeren Zeitraum untersuchen. Aktuelle Studien können zum jetzigen Zeitpunkt keinen Vorteil nachweisen.
Besonders problematisch: Am Menschen konnten Veränderungen der Darmflora bisher nicht zweifelsfrei gezeigt werden – aktuell existiert nur eine einzige Studie mit 7 Probanden und ohne eindeutiges Ergebnis. Dennoch weisen die verfügbaren Daten darauf hin, dass Vorsicht geboten ist, bis die langfristigen Auswirkungen besser verstanden werden.
Wie kann sich Süßstoff auf das ungeborene Kind auswirken?
Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen immer deutlicher: Der Konsum von künstlichen Süßstoffen während der Schwangerschaft kann durchaus Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben. Obwohl die Forschung noch nicht abgeschlossen ist, liefern aktuelle Studien beunruhigende Einblicke in die möglichen Folgen.
Übertritt in Plazenta und Muttermilch
Künstliche Süßstoffe beschränken ihre Wirkung nicht nur auf den mütterlichen Organismus. Tatsächlich können diese Substanzen sowohl die Plazenta durchdringen als auch später in die Muttermilch übergehen. Dieser Übertritt wurde in mehreren Studien nachgewiesen und bedeutet, dass das ungeborene Kind den Süßstoffen direkt ausgesetzt ist, selbst wenn es diese nie bewusst konsumiert hat.
Besonders bemerkenswert: "Wir finden die Süßstoffe auch in der Muttermilch", erklärt eine Expertin in einer Studie. Dies erscheint paradox, wenn man bedenkt, dass dieselben Substanzen in Babynahrung nicht zugelassen sind. Demzufolge empfehlen manche Experten Schwangeren und stillenden Müttern, auf den Konsum zu verzichten, solange die Auswirkungen auf den kindlichen Organismus nicht vollständig geklärt sind.
Mögliche Auswirkungen auf das Mikrobiom
Eine der besorgniserregendsten Entdeckungen betrifft die Veränderungen im Darmmikrobiom der Kinder. In Tierversuchen zeigte sich, dass Süßstoffe, die von der Mutter konsumiert wurden, die Zusammensetzung der Darmflora beim Nachwuchs signifikant veränderten.
Bei Jungtieren, deren Mütter Süßstoffe erhielten, fehlten wichtige Bakterienarten wie Akkermansia muciniphila. Außerdem beobachteten Wissenschaftler eine Zunahme von Propionat- und Butyrat-produzierenden Bakterien sowie einen Rückgang von Laktose-fermentierenden Mikroben. Diese Veränderungen stehen in direktem Zusammenhang mit:
Beeinträchtigter Leberfunktion
Metabolischen Störungen
Erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und Übergewicht im späteren Leben
Allerdings unterstreichen Forscher, dass der Effekt stark dosisabhängig zu sein scheint. Während bestimmte metabolische Veränderungen erst bei höheren Dosen auftreten, waren die Auswirkungen auf die Darmflora bereits bei moderaten Mengen drastisch.
Zusammenhang mit Frühgeburten
Neben den Stoffwechselauswirkungen gibt es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und Frühgeburten. Zwei groß angelegte prospektive Kohortenstudien mit über 120.000 Frauen haben den regelmäßigen Konsum von Lightgetränken während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Frühgeburtenrisiko in Verbindung gebracht.
In einer dänischen Studie mit 60.000 schwangeren Frauen zeigte sich, dass Teilnehmerinnen, die täglich eine Diät-Limonade tranken, ein um 38 Prozent höheres Frühgeburtenrisiko aufwiesen als Frauen ohne solchen Konsum. Noch alarmierender: Bei Frauen mit einem täglichen Konsum von vier oder mehr Diät-Getränken stieg das Risiko sogar um 80 Prozent.
Allerdings ist die Studienlage nicht eindeutig. Kritiker weisen auf methodische Mängel hin, und nicht alle Untersuchungen konnten diese Zusammenhänge bestätigen. Dennoch bleibt die Besorgnis bestehen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung selbst darauf hinweist, dass "mögliche kurz- und langfristige Effekte des Konsums von süßungsmittelgesüßten Getränken in der Schwangerschaft aufgrund der limitierten Studienlage nicht abgeschätzt werden können".
Sonderfall: Süßstoff bei Schwangerschaftsdiabetes und in der Stillzeit
Bei Schwangerschaftsdiabetes stehen werdende Mütter vor einem Dilemma: Zucker vermeiden, aber was ist mit Süßstoff? Gerade für diese besondere Gruppe gelten teilweise andere Empfehlungen als für Schwangere ohne Stoffwechselprobleme.
Empfehlungen der Deutschen Diabetes Hilfe
Die Deutsche Diabetes Hilfe gibt für Diabetikerinnen grundsätzlich Entwarnung: Süßstoffe wie Aspartam und Saccharin haben weder einen Effekt auf den Blutzuckerspiegel noch verstärken sie das Hungergefühl. Dennoch fehlt es an aussagekräftigen Langzeitstudien, die ihre vollständige Unbedenklichkeit belegen könnten.
Besonders für Schwangere mit Gestationsdiabetes wird empfohlen, auf zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Cola und Eistee zu verzichten. Auch Fruchtsäfte sollten gemieden werden, da sie den Blutzuckerspiegel schnell erhöhen. Stattdessen raten Experten zu Mineralwasser oder ungesüßtem Kräutertee.
In der S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus heißt es ausdrücklich: „Energiefreie Süßstoffe (z.B. Aspartam) können in der Schwangerschaft verwendet werden. Wenn die sogenannten ADI-Werte beachtet werden, ist ihre Anwendung unbedenklich".
ADI-Werte und ihre Bedeutung
ADI steht für "Acceptable Daily Intake" (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) und gibt an, wie viel eines bestimmten Süßstoffs täglich als unbedenklich gilt. Diese Werte werden in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Für Schwangere gelten folgende Richtwerte:
Acesulfam K: 9 mg/kg Körpergewicht
Aspartam: 40 mg/kg Körpergewicht
Cyclamat: 7 mg/kg Körpergewicht
Saccharin: 5 mg/kg Körpergewicht
Sucralose: 15 mg/kg Körpergewicht
Neohesperidin DC: 5 mg/kg Körpergewicht
Stevioglycoside: 4 mg/kg Körpergewicht
Neotam: 2 mg/kg Körpergewicht
Advantam: 5 mg/kg Körpergewicht
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, diese Werte nicht zu überschreiten.
Süßstoff in der Stillzeit: Risiken für das Baby
Während der Stillzeit ist besondere Vorsicht geboten. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass künstliche Süßstoffe in die Muttermilch übergehen und damit vom Baby aufgenommen werden. Laboruntersuchungen konnten Substanzen wie Saccharin, Sucralose und Acesulfam K in Muttermilch nachweisen.
Tierversuche mit Mäusen zeigen besorgniserregende Ergebnisse: Junge, deren Mütter während der Stillzeit Süßstoffe konsumierten, wiesen Veränderungen im Stoffwechsel und in der Darmflora auf. Diese Veränderungen scheinen unter anderem die Leberfunktion zu beeinträchtigen und können möglicherweise Diabetes fördern.
Außerdem fehlte bei den Jungtieren die wichtige Bakterienspezies Akkermansia muciniphila. Vergleichbare Veränderungen der Darmflora werden beim Menschen mit der Entwicklung von Diabetes Typ 2 sowie Übergewicht in Verbindung gebracht.
Folglich raten Experten stillenden Müttern dazu, den Konsum der süßen Substanzen zumindest stark zu reduzieren, auch wenn die Ergebnisse aus Tierversuchen erst noch in Humanstudien bestätigt werden müssten.
Welche natürlichen Alternativen sind in der Schwangerschaft besser geeignet?
Angesichts der möglichen Risiken von künstlichen Süßstoffen fragen sich viele schwangere Frauen nach gesünderen Alternativen. Natürliche Süßungsmittel können eine bessere Wahl darstellen, allerdings sollten auch diese bewusst eingesetzt werden.
Reifes Obst und Trockenfrüchte
Frisches Obst liefert nicht nur Süße, sondern auch wertvolle Mikronährstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Im Obst liegt der Zucker an das Fruchtfleisch gebunden vor und gelangt daher langsamer ins Blut als freier Zucker. Der natürliche Fruchtzucker aus Obst ist somit deutlich besser verträglich als industriell zugesetzter Zucker.
Trockenfrüchte wie Datteln, Feigen oder Aprikosen eignen sich hervorragend als süßer Snack und fördern nebenbei die Verdauung. Dies ist besonders in der Schwangerschaft hilfreich, wenn hormonelle Veränderungen Verstopfungen begünstigen. Getrocknete Pflaumen wirken dabei besonders abführend, während Aprikosen viel Eisen liefern. Dennoch sollte man aufgrund des konzentrierten Zuckergehalts Trockenfrüchte nur in kleinen Portionen genießen.
Honig, Ahornsirup und Dattelsirup
Dattelsirup enthält viele Vitamine (wie B-Vitamin Pantothensäure), Mineralstoffe und entzündungshemmende Antioxidantien. Mit weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker regt er zudem die Verdauung an.
Auch Honig und Ahornsirup enthalten weniger Kalorien als Haushaltszucker und mehr Vitamine sowie Mineralstoffe. Ahornsirup darf in der Schwangerschaft bedenkenlos verwendet werden, sollte jedoch wegen des hohen Kaloriengehalts nur sparsam zum Einsatz kommen. Wichtig zu wissen: Säuglinge im ersten Lebensjahr dürfen keinen Honig erhalten, da darin enthaltene Bakteriensporen ihrer unreifen Darmflora schaden könnten.
Warum weniger Süße langfristig gesünder ist
Eine stark reduzierte Zuckerzufuhr in den ersten 1.000 Tagen ab der Empfängnis bringt nachweislich langfristige gesundheitliche Vorteile für das Kind. Studien zeigen eine um 38% geringere Diabetesrate und um 21% geringeren Bluthochdruck bei konsequenter Zuckerreduktion.
Das langfristige Ziel sollte sein, die persönliche "Süßschwelle" nach und nach zu senken, anstatt nur zu Süßstoff zu greifen. Deutsche konsumieren durchschnittlich 91g Zucker täglich, während die WHO höchstens 50g empfiehlt. Durch die Gewöhnung an natürliche, weniger süße Alternativen kann das Verlangen nach Zucker langfristig verringert werden.
Fazit: Süßstoff in der Schwangerschaft nur mit Bedacht verwenden
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verwendung von Süßstoffen in der Schwangerschaft ein komplexeres Thema darstellt, als früher angenommen. Während künstliche Süßungsmittel zwar kalorienarm sind, deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf potenzielle Risiken hin. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass diese Substanzen die Plazentaschranke überwinden und später in die Muttermilch gelangen können.
Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung den Konsum innerhalb der ADI-Werte als unbedenklich einstuft, zeigen Tierversuche dennoch beunruhigende Auswirkungen auf die Darmflora und den Stoffwechsel der Nachkommen. Bei Menschen wurde zudem ein Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum während der Schwangerschaft und erhöhtem Körpergewicht der Kinder sowie einem gesteigerten Frühgeburtenrisiko festgestellt.
Für Schwangere mit Gestationsdiabetes gelten teilweise andere Empfehlungen, da hier die Blutzuckerkontrolle im Vordergrund steht. Allerdings sollte auch hier die empfohlene Tagesdosis nicht überschritten werden.
Anstatt zu künstlichen Süßungsmitteln zu greifen, empfehlen Experten 2025 natürliche Alternativen wie reifes Obst, Trockenfrüchte oder Dattelsirup. Diese enthalten nicht nur gesunde Mikronährstoffe, sondern führen auch zu einer langsameren Blutzuckerfreisetzung. Darüber hinaus lohnt es sich, die persönliche "Süßschwelle" schrittweise zu senken.
Letztendlich fehlt es noch an aussagekräftigen Langzeitstudien am Menschen. Bis dahin scheint ein vorsichtiger Umgang mit Süßstoffen während Schwangerschaft und Stillzeit der klügste Ansatz zu sein. Schließlich geht es um die Gesundheit von zwei Generationen – ein Grund mehr, bei der Wahl der Süßungsmittel besonders achtsam zu sein.
FAQs
Q1. Welche Süßstoffe sind in der Schwangerschaft erlaubt? In Deutschland sind 11 Süßstoffe zugelassen, darunter Aspartam, Stevia und Sucralose. Allerdings empfehlen Experten, den Konsum zu begrenzen und die empfohlenen Tagesdosen (ADI-Werte) nicht zu überschreiten.
Q2. Können Süßstoffe dem ungeborenen Kind schaden? Aktuelle Studien zeigen, dass Süßstoffe die Plazenta passieren und möglicherweise Auswirkungen auf das Kind haben können. Es wurden Zusammenhänge mit erhöhtem Körpergewicht bei Kindern und Veränderungen der Darmflora beobachtet. Langzeitstudien fehlen jedoch noch.
Q3. Ist Süßstoff bei Schwangerschaftsdiabetes empfehlenswert? Für Schwangere mit Gestationsdiabetes können Süßstoffe eine Alternative zu Zucker sein, da sie den Blutzuckerspiegel nicht beeinflussen. Die Deutsche Diabetes Hilfe hält ihre Verwendung für unbedenklich, solange die ADI-Werte beachtet werden.
Q4. Welche natürlichen Alternativen gibt es zu künstlichen Süßstoffen? Reifes Obst, Trockenfrüchte, Honig, Ahornsirup und Dattelsirup sind gesündere Alternativen. Sie liefern nicht nur Süße, sondern auch wertvolle Nährstoffe. Allerdings sollten auch diese nur in Maßen genossen werden.
Q5. Wie wirkt sich Süßstoffkonsum auf die Stillzeit aus? Süßstoffe können in die Muttermilch übergehen. Tierversuche zeigen mögliche negative Auswirkungen auf die Darmflora und den Stoffwechsel der Säuglinge. Experten raten daher, den Konsum während der Stillzeit stark zu reduzieren.
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